Rezension
1994 hatte Steven Isserlis bereits eine vielgepriesene Aufnahme des Elgar-Konzertes präsentiert. Die beiden seither vergangenen Jahrzehnte spürt man durchaus: Seine Spontaneität hat der britische Cellist sich bewahrt, aber um wieviel weiter reicht das emotionale Spektrum dieses Werkes, in dem sich fortwährend Licht und Schatten bekämpfen! In Paavo Järvi hat er einen hervorragenden Mitgestalter: Insbesondere der Adagio-Satz ist hier von einer Tiefe, die wenig Konkurrenz hat… Das hierzulande kaum bekannte Cellokonzert des noch am ehesten für seine Filmmusiken erinnerten William Walton, geschrieben im Jahre 1956 für Gregor Piatigorsky, ist in Isserlis‘ Augen dem von Elgar als eines der bedeutendsten Werke seiner Gattung im 20. Jahrhundert absolut ebenbürtig. Zunächst von einigen Kritikern als „altmodisch“ abgetan, ist sein Platz im Konzertrepertoire zumindest im Kulturkreis des Commonwealth längst fest verankert. Was es, hier herrlich hörbar, seinem melodischen Reichtum ebenso zu verdanken hat wie der damaligen engen Zusammenarbeit zwischen Komponist und dem Solisten und Widmungsträger: Hier sollte wirklich ein Werk für das Violoncello geschaffen werden. Isserlis‘ Aufnahme ist ein dringliches Argument, sich auch als Kontinentaleuropäer eingehend damit zu beschäftigen – es lohnt! (2016/2025)