Rezension
Es gibt nicht wenige ernstzunehmende Stimmen, die Richters Gesamteinspielung der Bachschen Präludien und Fugen sogar über die von Glenn Gould stellen. Und ohne letztere missen oder ihren Rang schmälern zu wollen: Man kann entsprechender Argumentation durchaus folgen. Denn hier ist es nicht der extreme Charakter eines Interpreten, der zu uns spricht, sondern es scheint völlig ungefiltert die Musik selbst zu sein – wenn nicht gar (Achtung, Esoterik) die Stimme dessen, der sie dem Komponisten einst eingab. Spätestens in der Cis-Dur-Fuge meint man, in dieser unnachahmlichen Klarheit etwas Göttliches, zumindest etwas Absolutes wahrzunehmen. Man stellt sich ein großes Kloster vor, bewohnt seit Jahrzehnten von nur einem einzigen Mönch. Es gibt keine Möbel, keine Bilder, keinen Zierrat. Nur in irgendeiner Kammer steht ein Klavier. Der Mönch, fast körperlos durch lange Jahre spiritueller Enthaltsamkeit, sitzt davor und spielt diese Musik. Diese hypnotisch zu nennen, wäre stark untertrieben. – Neupressung der 2016er Wiederauflage. (1970/2016, Pressung 2026)





