Rezension
Eine durchaus ungewöhnliche Hommage anläßlich des 100. Geburtstags von John Coltrane, denn das Album, das sich der Saxophonist und die Sängerin für diese Ehrung ausgesucht haben, ist vielleicht das untypischste in der ganzen Diskographie. Die Rede ist von der einzigen Zusammenarbeit des Jazz-Erneuerers mit einem Sänger: "John Coltrane And Johnny Hartman", aufgenommen im März 1963 und eine vollkommen andere Welt als die umgebenden Werke "Impressions" und "Live At Birdland" abbildend. Wer sich nun wundert, warum für diese Würdigung zwei LPs benötigt werden – die Antwort ist einfach, das Sechs-Song-Programm wurde verdoppelt mit ausgesuchten Instrumentaltracks aus dem großen Trane-Repertoirefundus, etwa "26-2", "Central Park West" und "Big Nick", in denen Marsalis und sein Quartett aus Pianist Joey Calderazzo, Bassist Eric Revis und Drummer Justin Falukner glänzen. Dennoch sind die Hauptsache natürlich jene Titel, die das Originalalbum ausmachen, welches weithin als eines der bedeutendsten Balladen-LPs der Jazzgeschichte gilt – eigentlich sakrosankt. Aber es wird hier auch zu keinem Zeitpunkt versucht, das Original zu kopieren. Im Gegenteil, Marsalis und Reeves nähern sich ihm oft auf fast spielerische Weise. Schon im Opener "Autumn Serenade" etwa mit einem abschließenden Improvisations-Duett zwischen Stimme und Saxophon, und derart charmante Momente gibt es noch einige auf dieser ausgesprochen liebevollen Verbeugung vor einer Sternstunde… (2026)






