Rezension
Wie diametral Herbert von Karajans Wagner-Auffassung denen von Kollegen wie Georg Solti oder Leopold Stokowski entgegenstand, läßt sich am deutlichsten vielleicht an seiner "Walküre"-Aufnahme ablesen: Wer den ersten Ring-Abend (nach dem "Rheingold"-Vorspiel) hauptsächlich um des "Walkürenritts" schätzt, wird sicherlich woanders besser bedient. Denn auch hier geht es primär um die lyrischen Aspekte der Partitur, und sie bietet ja reichlich davon. Zarte Klangnuancen arbeitet Karajan in seltener Deutlichkeit heraus, und auch in der Besetzung der Stimmen spiegelt sich sein Ideal: Gundula Janowitz ist die denkbar zarteste Sieglinde, Brünnhilde wird von der Französin Régine Crespin verkörpert. Beide hatten zwar, ebenso wie der Amerikaner Thomas Stewart und der Kanadier Jon Vickers, durchaus Wagner-Erfahrung, sind aber nicht gerade "typische" Besetzungen für ihre jeweiligen Rollen. Was freilich eventuell auf einem Mißverständnis beruht, denn die gewaltigen Germaninnen, die man gemeinhin mit den Walküren assoziiert, waren keineswegs in Wagners Sinne – Crespins Brünnhilde dürfte seinem Ideal durchaus nahekommen. Soltis Pionier-"Ring" ist immer noch der beste Einstieg und in der Kombination aus Ensemble, Dramatik und Klangqualität bis heute schwer zu schlagen. Wer aber tiefer in die Materie einsteigen will, kommt an Karajans faszinierender Wagner-Vision sicher nicht vorbei. Und, wie schon bei der "Rheingold"-Neuausgabe: Zumindest das klangliche Argument wird durch Rainer Maillards Mastering-Wunder doch ziemlich nivelliert. – Wie immer streng limitiert und vermutlich nicht allzu lange verfügbar! (1967/2026)






