Rezension
Viel weiter weg von Dylan (in fast allen seiner vielen Erscheinungsformen) kann man eigentlich nicht sein: Ausgerechnet der König der Dandys aber nahm 2007 eine Platte mit Songs des Meisters auf. Das Ergebnis ist auch etwas durchwachsen, kann unterm Strich aber durchaus überzeugen: Ist die MOR-Rock-Variante von "Just Like Tom Thumb's Blues" noch etwas beliebig, so muß man Ferrys Interpretation von "Simple Twist Of Fate" schon sehr viel Charme zugestehen: Zumindest dieser Song klingt, als hätte er auf diesen Sänger gewartet. Das folgende "Make You Feel My Love" ist auf jeden Fall auch auf der Habenseite zu verbuchen; überhaupt ist es der mittlere und späte Dylan, der Ferry sicherlich mehr liegt: Sein "The Times They Are A-Changing" klingt zu sehr nach Tom Petty; "Knocking On Heaven’s Door" gehört grundsätzlich auf eine Liste mit für mindestens 50 Jahre verbotenen Songs; Ferry macht aber hier sogar noch das Beste draus (schön: die Idee eines wirklich dylanesken Harmonika-Solos). "Positively 4th Street" bricht das Schema auf: Dieser Song aus dem Frühwerk ist in Ferrys Umdeutung wirklich gelungen, und für "Gates Of Eden" gilt das sogar noch mehr. "If Not For You" – einer der 60er-Songs, die Dylans 70er-Stil vorwegnehmen – ist erwartungsgemäß wieder ein Highlight, "All Along The Watchtower" hat man wiederum schon spannender gehört. Unterm Strich aber alles andere als ein Fehltritt, bei allem berechtigten (siehe oben) Skeptizismus! – Neuausgabe auf rotem Vinyl. (2007/2025)




