Rezension
Ein echtes Schlüssel-Werk, ein Meilenstein im echten Sinne. Es ist sozusagen der End- und Höhepunkt der langjährigen Zusammenarbeit von Trompeter Ian Carr und Saxophonist Don Rendell, deren gemeinsames Quintett den britischen Jazz der 1960er maßgeblich geprägt hatte. Die gemeinsame Band gab es hier bereits nicht mehr und Carr war dabei, die für das Folgejahrzehnt wegweisenden Nucleus zu gründen (deren Mitgliedern wie hier denn vollständig begegnen). Der dritte im Bunde war Komponist Neil Ardley, der mit der die erste Seite füllenden Suite etwas schuf, was sich nur mit den gemeinsamen Alben von Miles Davis und Gil Evans vergleichen läßt: Die auf griechischen Volksliedern basierende Komposition ist die vermutlich aufregendste Begegnung von Klassik, Jazz und Folk seit "Sketches Of Spain", und man möchte diese beiden Alben nicht in eine Rangfolge bringen müssen. Doch hat dieses Album hier noch zwei weitere Kapitel: Drei Titel mit einem von Carr geführten Quintett mit den Nucleus-Gründungsmitgliedern Chris Spedding, Brian Smith, Jeff Clyne und John Marshall, die bereits einen sehr deutlichen Ausblick darauf geben, wozu diese Band fähig sein würde – und vier weitere mit einem Quartett aus Rendell, Stan Robinson als zweitem Bläser, Neville Whitehead am Bass und Trevor Tomkins am Schlagzeug, die nun sozusagen in Kammerbesetzung den Tonfall der umseitigen Suite wieder aufnehmen. In der wir im Übrigen auch noch Jack Bruce und Barbara Thompson begegnen. Trotz dieser Talent-Ballung waren die damaligen Verkäufe der ursprünglich auf EMI / Columbia erschienenen LP (SCX 6414) so mager, daß für Originale heute auch gerne mal vierstellige Beträge abgerufen werden. Diese Neuausgabe in HQ-Qualität (Mastering von den analogen Quellen, Pressung bei Pallas!), veröffentlicht im Rahmen der "British Jazz Explosion"-Serie, dürfte auch in Kürze zum gesuchten Sammlerstück werden! (1970/2026)





