Rezension
August 1969: Das Herz der Jazz-Avantgarde schlug in Paris. Das Art Ensemble Of Chicago, Archie Shepp, Grachan Moncur III, Bassist Alan Silva – sie alle hielten sich damals in der Seine-Metropole auf. Und jammten gemeinsam, vor allem im Studio des BYG-Labels. Wo auch dieses Album entstand, auf dem u.a. Shepp, Moncur, Silva, Kornettist Clifford Thornton und vom AEoC Lester Bowie und Roscoe Mitchell zu hören sind. Vor allem aber natürlich Sunny Murray, der während seiner Zusammenarbeit mit Cecil Taylor eine (hier freilich noch wesentlich weiter entwickelte) vollkommen neue, freie Art des Schlagzeugspiels erfunden und das Instrument von den Fesseln der Taktgebung befreit hatte. Das "Festival panafricain d'Alger" hatte eben stattgefunden, der alte Kontinent war als Wiege des Jazz (und der Menschheit) wiederentdeckt worden und Symbol für ein neues, schwarzes Selbstbewußtsein jenseits von Kolonialismus und Sklaverei. Was das bedeutete, kann man in dieser buchstäblich befreiten Musik heute noch hören. (1970/2026)






