Rezension
Der spanische Saxophonist Pedro Iturralde, Jahrgang 1929, bereiste früh Europa und den nahen Osten, lernte faszinierende Musik und hervorragende Musiker kennen. Daß die Musik seiner Heimat sich mit Jazz durchaus kombinieren ließ, bewies spätestens Miles Davis' "Sketches Of Spain"; hier freilich ist der Flamenco-Anteil ungleich höher. Ursprünglich empfand Iturralde es übrigens als reizvoller, das Konzept ohne Gitarristen zu versuchen, nur mit seiner damals aktuellen Band aus Pianist Paul Grassl, Drummer Peer Wyboris (beide aus Deutschland) und dem Schweizer Bassisten Eric Peter. Es war der deutsche Jazz-Papst Joachim-Ernst Behrendt, der ihn vom Gegenteil überzeugte – der Gitarrist, der dann in die Band integriert wurde, war eines der vielversprechendsten neuen Talente an der Flamenco-Gitarre. Da der junge Mann schon einen anderen Plattenvertrag hatte, tritt er auf Iturraldes Alben unter dem seine Geburtstadt enthaltenden Pseudonym Paco de Algericas auf; es braucht freilich nicht viel Phantasie, um seine Identität herauszufinden. Doch trotz der natürlich prägenden Präsenz de Lucías haben auch die anderen Musiker hohen Anteil an dieser faszinierenden Fusion von Flamenco und Jazz; ein Paradebeispiel ist das über zwölfminütige "Zorongo Gitano"; phantastisch auch der Saxophon/Gitarre-Dialog "Soleares"! Was auf dem besagten Miles Davis/Gil Evans-Album (ohne seine Größe und Schönheit in irgendeiner Form schmälern zu wollen) letztlich nur angedeutet wird, wird hier konsequent umgesetzt: Die gleichberechtigte Vermählung zweier Musik-Gattungen. Das Ergebnis ist auch nach bald sechs Jahrzehnten einzigartig… (1967/2026)






