Rezension
Zu einem Solo-Recital an der Metropolitan wird man nicht eben mal so eingeladen, selbst dann nicht, wenn man dort regelmäßig in Hauptrollen auf der Bühne steht. Es ist eine besondere Ehre, und die hier (September 2023) 36jährige Norwegerin war sich dessen auch absolut bewußt – und kredenzte dem New Yorker Publikum alle Facetten ihrer Kunst. Es gab in der Geschichte nicht übermäßig viele Sängerinnen, die im italienischen Repertoire von Verdi bis Puccini ebenso sicher waren wie im Deutschen, die Barockopern singen kann und Wagner, Operetten Glanz verleihen kann und ein Schubert-Lied gestalten; "nebenbei" beherrscht Davidsen herkunftsbedingt dann auch noch das selten zu hörende skandinavische Repertoire (Grieg, Sibelius). Diese Vielfalt, so beeindruckend sie ist, ist eine Sache – eine andere, sie innerhalb eines einzigen Recital-Abends beinahe vollständig auszubreiten, wie Davidsen es hier tat – und dabei wirklich jedem einzelnen Stück mehr als gerecht wurde. Eine schier übermenschliche Leistung, die man, das darf man nicht unter den Tisch fallen lassen, auch Pianist James Baillieu attestieren muß, der wie einst Gerald Moore das "Begleiten" als eigenständige Kunstform begreift. Eine Gesangs-Sternstunde, die Stimmen-Liebhaber keinesfalls verpassen dürfen. (2026)






