Rezension
Die letzte Blue Note-Session des nach Jimmy Smith wohl bedeutendsten Orgel-Innovators im Jazz fand im Februar 1969 statt; veröffentlicht wurde sie jedoch erst 1980, zwei Jahre nach dem Tod des Musikers: In den an kommerzielleren Klängen ausgerichteten Katalog des Labels in den späten 60ern paßte diese Musik nicht mehr. Der eigentliche Held des Albums ist (nicht zum ersten Mal auf Youngs Spätsechziger-Aufnahmen) Saxophonist Herbert Morgan (mit dem hier gleichfalls zu hörenden populären Trompeter Lee übrigens nicht verwandt!): Seine ungewöhnlichen melodischen Einfälle und sein kräftiger Ton führen immer wieder zu neuen Höhepunkten; und man bedauert einmal mehr, daß der Mann sein beschauliches Newark partout nicht verlassen wollte; sein Beitrag zur Jazzgeschichte hätte weitaus größer ausfallen können. Auf fünf Tracks legt Youngs Quartett (Drummer ist Eddie Gladden) hier eine Vision von Funk dar, die mit den Impulse-Aufnahmen John Coltranes sicher enger verwandt ist, als man es dem Genre im Allgemeinen zugestehen mag – der Groove ist aber nicht von der Hand zu weisen und scheint musikalische Freiheit nicht auszuschließen…! Eines dieser Alben, die ihre Obskurität allein der späten Veröffentlichung zu verdanken haben: Eigentlich ein Meilenstein! Nun endlich erstmals in gebührender Qualität zu erleben. (1980/2026)






