Rezension
Presque rien, fast nichts. Eigentlich gar nichts, was nach traditionellem Verständnis mit Musik zu tun hat. Der frankoitalienische Musique Concrète-Pionier ging in ein kroatisches Fischerdorf, stellte im Morgengrauen seine Mikrophone auf und nahm das Erwachen des Dorflebens auf, vom ersten Hahnenschrei über anfahrende Traktoren, spielende Kinder und die Rufe der Fischer bis zu den allgegenwärtigen Zikaden, von denen sich eine offenbar am Ende direkt auf ein Mikrophon gesetzt hat. Die Umwelt als Komponist, in radikalster Form. Faszinierenderweise kann man gar nicht anders als Zuhören… Die B-Seite ist Kontrastprogramm: "Société II" ist gesetzt für Klavier, drei Perkussionisten und 16 Instrumente. Hier geschieht das Gegenteil: Nicht die Situation wird zu Musik, sondern die Musik wird zur Situation. In diesem Falle etwa einer aufgeladenen politischen Diskussion, wie man sie in jenen Tagen (den späten 60ern nämlich) regelmäßig erleben konnte. Melodien sucht man hier vergeblich, Dynamik gibt es reichlich. Übrigens durchaus auch in klanglicher Hinsicht: Label-Legende Heinz Wildhagen legte hier eine tonmeisterliche Glanzleistung ab! Die diese von Rainer Maillard kuratierte Neuausgabe endlich auch Eins zu Eins abbildet. (1970/2026)





