Rezension
Nach seinen drei Schlaganfällen der Jahre 2010-13 hatte man nicht damit gerechnet, das einzigartige Gitarrenspiel des Vini Reilly jemals wieder zu hören. Aber Reilly hat sich seine Technik und sein Instrument zurückerobert; wie hart dieser Kampf war, möchte man nicht wissen. Und so gibt es nach 16 Jahren ein neues Album seiner Durutti Column, einer der seltsamsten Bands, die die an seltsamen Bands nicht arme britische Popgeschichte je hervorbrachte. Sie ist sofort erkennbar, diese Gitarre, und doch klingt dieses Album natürlich wie kein anderes der Diskographie, Reilly hat sich ja niemals wiederholt. Die alten Freunde Bruce Mitchell (Schlagzeug) und Keit Stewart (Bass, Keyboards) sind sogar auch wieder dabei. Und ganz offensichtlich haben sie die vergangenen Jahre nicht im Dornröschenschlaf verbracht. Denn diese "Wiedergeburt" ist nicht nostalgisch, sondern ein Album von heute. Manchmal pumpen Club-Beats unter Reillys Klangtexturen, die aber den Rhythmus dominieren, nicht umgekehrt. Was der heute 73jährige auf der Gitarre macht, ist reine Magie, heute wie damals, und mit dem Wort "Ambient" nur ziemlich hilflos beschrieben. Eine durchaus triumphale Rückkehr. Auf aktuellen Fotos sieht Reilly aus wie sein eigener Geist, und das Rauchen hat er auch nicht aufgegeben. Man kann nur hoffen, daß dieses Album nicht sein Vermächtnis sein wird, sondern wirklich der Anfang von einem neuen Kapitel dieser immer wieder erstaunlichen Band. – Die "Normalausgabe" kommt auf gelbem Vinyl, die limitierte "Deluxe"-Version in "coke bottle green", zudem mit anderem Artwork und einem eingehefteten zwölfseitigen Booklet! (2026)





