Johann Sebastian Bach

Sonaten und Partiten für Violine solo, BWV 1001-1006

Weitere Interpreten:  Ida Haendel, Violine
Label/AN:  Testament, SBTLP3090
Format:  3 LP 180g, Box

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Rezension

Ida Haendel war 1995, zum Zeitpunkt dieser Aufnahme, längst eine lebende Legende. Schon damals waren nicht mehr viele Violinisten aktiv, die noch aus den großen Schulen von Carl Flesch und George Enesco kamen. Als aktive Künstlerin tritt die alte Dame nur noch gelegentlich in Erscheinung; diese Gesamteinspielung des ‘heiligen Grals’ der Violinliteratur war also schon als ein Vermächtnis zu verstehen. Der Endsechzigerin leichte, altersbedingte technische Unsicherheiten vorzuwerfen, wäre äußerst kleingeistig. Denn erstens ist ihre Leistung angesichts der ungeheuren technischen Schwierigkeiten des Notentextes immer noch beeindruckend – zweitens geht es bei dieser Einspielung vor allem um eines: um Musikalität. Die sich hier in einer Weise entfaltet, wie man es schon seit beinahe 40 Jahren nur noch sehr selten erlebt hatte. Die Spannung, die Ida Haendel dem Bach-Text zu verleihen im Stande ist, überträgt sich sofort, unmittelbar. Ihr Bach-Bild ist hörbar von dem ihres Lehrers Enesco beeinflußt, der seiner eigenen Zeit damit weit voraus war. Haendel spielt, um das Risiko der technischen Probleme wissend, mit vollem Einsatz. Die Aufnahme gleicht einem Drahtseilakt ohne Netz: Die Artistin gerät bisweilen ins Straucheln, doch sie stürzt nicht ab. Und ihr Auftritt ist fesselnd von der ersten bis zur letzten Minute. Die Künstlerin weiß, daß sie sich auf ihr musikalisches Gerüst verlassen kann – dieses steht felsenfest. Ansonsten bedeutet ihr Ausdruck offensichtlich mehr als technische Perfektion. Und genau das ist der springende Punkt: Was man hier hört, besser vielleicht: erlebt, ist eines der letzten Zeugnisse einer musikalischen Tradition, die ein anderes Wertesystem hatte als die heutige. Deswegen gibt es solche Musik auch eigentlich nicht mehr. – Die schon lange vergriffene Vinylausgabe dieser übrigens (auch das anno ’95 ein Statement!) rein analogen Aufnahme wurde nun doch noch einmal neu aufgelegt. (1996, Pressung aktuell)