Rezension
England – bzw. die britischen Teenager – half dem krisengeschüttelten Rock'n'Roll-Vater wieder auf die Beine. Nicht nur waren seine schon mehrere Jahre alten Songs urplötzlich wieder Hits, der Erfolg der britischen Bands (die seine Songs spielten!) in seiner Heimat verschaffte ihm auch wieder reichlich Aufmerksamkeit. Als Berry dann 1964 eine große England-Tour absolvierte, wurde er abgefeiert wie nie zuvor! Zum Dank verewigte er eine der wichtigsten englischen Rock'n'Roll-Städte im Titel seines nächsten Albums – das sowohl den Songwriter wie den Musiker Berry auf absoluter Höhe dokumentiert und jeden, der behauptet, man bräuchte nur seine großen Singles aus den 50ern, souverän Lügen straft. Die Gitarre auf dem langsamen Blues "Things I Used To Do" etwa zählt sicherlich zum Besten, was der Mann je auf Platte hat pressen lassen… Und daß er nach 1960 keine Hits mehr schrieb, ist ebenfalls ausgemachter Unsinn: "No Particular Place To Go", "Promised Land" und "You Never Can Tell" sind alles große Berry-Klassiker. Da die Alben aus den späten 50ern zeitüblich mehr oder weniger Singles-Kompilationen mit Füllmaterial sind (was natürlich nichts an ihrer Klasse ändert), lehnt man sich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man "St. Louis To Liverpool" als sein bestes Studio-Album bezeichnet… – Matthew Lutthans masterte vom Originalband. (1964/2026)






