Rezension
Das seltsamerweise auch noch in der Mitte des Albums untergebrachte "Formidable" ist zwar hörenswert, doch im Grunde ein Fremdkörper, nämlich bereits 1959 aufgenommen (der Rest des erst 1980 veröffentlichten Albums besteht aus einer Session vom 11. Februar 1963). Das Bläserduo allerdings ist identisch: McLean plus Trompeter Donald Byrd – was ein Nebeneinanderstellen der Aufnahmen natürlich durchaus interessant macht. Zumal sich in jenen vier Jahren ja unendlich viel im Jazz getan hatte! Den umkrempelnden Einfluß von Pionieren wie Ornette Coleman kann man auf den '63er Aufnahmen auch deutlich hören; der Altsaxophonist war von den Errungenschaften des Free Jazz fasziniert. Dem ist "Vertigo" aber nicht zuzurechnen; die Musik läßt den Hard Bop zwar harmonisch wie rhythmisch hinter sich, folgt aber klaren Strukturen. Ein spannendes Werk, dessen späte Veröffentlichung umso merkwürdiger erscheint, wenn man bedenkt, daß es sich hier "nebenbei" auch um ein bedeutendes Debüt handelt: Dies nämlich ist die erste Aufnahme von Tony Williams, hier 17 Jahre und zwei Monate alt! – Erstmals gibt es dieses wesentliche Album in HQ-Qualität (Tone Poet-Serie), Mastering von Kevin Gray. (1980, rec. 1959 & 1963/2026)






