Rezension
Man kann nicht sagen, daß Herbert von Karajan übereilt vorgegangen wäre: Immerhin vergingen 18 Monate zwischen dem Auftritt der 13jährigen Geigerin auf dem Luzern-Festival 1976 und ihrer ersten großen Studioaufnahme mit jenem Dirigenten, der ihren damaligen Auftritt erlebt hatte und zutiefst beeindruckt war (was vermutlich selten der Fall war). Mit diesem Album also begann eine der größten Schallplattenkarrieren der klassischen Musik im späten 20. Jahrhundert. Mutters (inzwischen vierzehneinhalb) Spiel beeindruckt noch heute ob seiner Reife, und schon hier erwies sich die junge Violinistin als Königin des Adagios: Mag man in den Ecksätzen noch Karajans vielleicht doch für Mozart etwas zu mächtiges Dirigat kritisieren (auch wenn die Berliner hier nicht in voller Stärke antraten), so ist man in den langsamen viel zu ergriffen, um noch an irgendetwas herummäkeln zu wollen. Daß die Aufnahme mit dem französischen Grand Prix du Disque, einem der wichtigsten Schallplattenpreise Europas, ausgezeichnet wurde, war sicherlich nicht unberechtigt… – Man darf sich darauf freuen, diesen wunderbaren Violinton noch nie in solcher Unmittelbarkeit (auf Tonträger) erlebt zu haben! (1978/2026)






