Rezension
Ausgerechnet Bob James zählt zu den meistgesampleten Künstlern im Hip Hop: Von A Tribe Called Quest bis Run D.M.C. gibt es kaum eine namhafte Formation, die auf James' smoothe Grooves verzichten wollte. Der 1939 geborene Pianist hatte 1962 bereits ein am Bop orientiertes Album aufgenommen, drei Jahre später ein erstaunlich avantgardistisches für das Underground-Label ESP. Danach begleitete er Sarah Vaughan, bevor er einige Jahre als Produzent für Creeg Taylors CTI-Label arbeitete. Seine eigene Sprache fand er erst 1974, weswegen er das erste Album für sein eigenes Label Tappan Zee auch programmatisch "One" betitelte, seine ganze bisherige musikalische Laufbahn damit negierend. Seine Mischung aus Funk-Grooves und sanftem Jazz, angereichert mit Solisten wie Grover Washington jr. und Trompeter Jon Faddis, zeugte von James' Faszination für Soundtracks: Schon die Titel ("Valley Of The Shadows", "In The Garden") wirken wie aus Film-Scores. So geht es bei James' vom Rhodes-Piano dominierten, doch orchestral instrumentierten Tracks weder um Fusion-Virtuosität noch um einprägsame Hooklines, sondern um Stimmungen. Wer das begriffen hat (die damalige Jazz-Kritik eher nicht), muß ihn als durchaus visionären Musiker betrachten. (1974/2026)






