Rezension
Molécule ist der Künstlername von Romain De La Haye, 1979 in Grenoble geboren und Klassikhörern vermutlich weniger vertraut, da bislang auf eher experimentellem Gebiet tätig. So war er etwa jahrelang auf dem Atlantik unterwegs und sammelte auf dem Wasser wie an Land Field Recordings, vorzugsweise in Extremsituationen (etwa im Segelboot einem Sturm trotzend), die er dann zu spektakulären Klanginstallationen zusammenfügte. Nun aber ließ er sich auf ein anderes Abenteuer ein: Dem des Symphonie-Orchesters. Mit kaum weniger aufregendem Ergebnis. Offensichtlich ist, daß das Werk von einem stammt, der vorwiegend mit Sample-Technik arbeitet – auch wenn es komplett ausnotiert ist und ganz traditionell aufführbar ist. Hier entstehen Brücken zwischen allen Stilepochen der letzten paarhundert Jahre, inklusive Ausblick in die Zukunft. Doch wie bei Molécules elektronischen Arbeiten wirkt das Werk eben nicht wie zusammengefrickelt, sondern es entsteht ein schon ziemlich überwältigendes Gesamtbild – bei beeindruckender Ausnutzung der klanglichen Möglichkeiten des Orchesterapparates. Daß sich der Komponist im Vorfeld sehr intensiv mit der Materie befaßt hat, die größten Meister der orchestralen Komposition von Beethoven über Mahler bis Ravel tiefgehend analysiert hat, ist zu spüren und zu hören. Molécule nannte sie bewußt seine 1. Symphonie – was schließen läßt, daß dieses Thema ihn weiter beschäftigen wird. Dies jedenfalls ist schon mal ein Werk, das man unbedingt auch im Konzertsaal hören möchte… (2025)